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Yehudi Menuhin

Projektbeschreibung

Bad Fredeburg – Reinigung/Renovierung und Dokumentation

Im Rahmen der Renovierung der Pfarrkirche in Bad Fredeburg sollte die Orgel zunächst gesichert und anschließend gereinigt und renoviert werden. Dabei galt es die desolaten Kegelladen wieder herzurichten und das teils stark beschädigte Pfeifenwerk zu überarbeiten. Die Orgel wurde ursprünglich von Orgelbauer Kuhlmann 1840 erbaut und in den Jahren 1871, 1895, 1922, 1933 und 1946 verändert. Es galt nun diese Veränderungen genau zu dokumentieren und den historischen Pfeifenbestand zu katalogisieren, um den Weg für eine spätere Rekonstruktion zu ebnen.

Folgende Parameter wurden dabei festgehalten:

  • Registerbezeichnungen
  • Tonbezeichnungen
  • sonstige Beschriftungen
  • Alter
  • Bauweise
  • Mensur
  • Material
  • Materialstärke
  • Labienbreite
  • Aufschnitthöhe
  • Kernstiche
  • Kernspaltenweite
  • Fußlochgröße

Das historische Pfeifenwerk wurde behutsam restauriert, Beulen in den Pfeifenkörpern und –füßen wurden entfernt, alle Stimmrollen und Bärte sorgfältig gerichtet und gegebenenfalls neu verlötet. Sämtliche Holzpfeifen wurden auf Anobienbefall überprüft und zum Teil begast. Undichte Stellen wie Astlöcher wurden ausgebohrt und in passendem Holz verdübelt, soweit dabei keine historische, wertvolle Substanz (z.B. Originalbeschriftungen, Ton- und Registerbezeichnungen) verletzt wurde. Ansonsten wurden die betreffenden Stellen von innen beledert. Die teilweise verbogenen Stimmbleche wurden neu gerichtet. Wo durch Materialermüdung Zweifel an ihrer Haltbarkeit bestanden, wurden sie in gleicher Bauweise und in gleichem Material gegen neue Bleche ausgetauscht. Die ausgetauschten Teile wurden dokumentiert und hinterlegt.

Um die äußerst unbefriedigende Intonation der Zungenregister aus dem Jahr 1946, insbesondere der Register Dulcian 16' und Krummhorn 8', zu verbessern, wurden die Kehlen, die Zungenblätter und die Stimmkrücken von Oxidationen befreit, die Kehlen wo nötig neu abgerichtet und die Zungenblätter neu gelegt.

Im Spieltischbereich fielen einige gravierende Mängel auf, die ein kultiviertes Orgelspiel sehr erschwerten. Einige Tastenbeläge der Pedalklaviatur waren stark ausgetreten, die Tasten der beiden Manualklaviaturen waren ausgeschlagen und verursachten dadurch Klappergeräusche. Etliche Tastenbeläge der Manualklaviatur waren vorne ausgebrochen.

Die Windanlage war insgesamt als fragwürdig einzustufen. Den gravierendsten Mangel stellte wohl die Gebläsekammer (südlich der Orgelempore) mit ihren erheblichen Temperaturschwankungen dar. Infolgedessen konnte die Stimmung der Orgel nie befriedigen, so dass die Diskantpfeifen der Labialregister deutliche Spuren wechselhafter Stimmversuche aufwiesen. Um also die Stimmhaltung zu verbessern und Stimmschäden an den Orgelpfeifen für die Zukunft zu vermeiden, wurde das Gebläse in einem neuen Gebläsekasten in der Orgel aufgestellt. Die übermäßigen Blas- und Störgeräusche beim Ein- und Ausschalten der Orgel waren u.a. darauf zurückzuführen, dass zwei der insgesamt vier Balgscheren des Magazinbalgs abgerissen waren. Im Zuge der Instandsetzung wurden die Scheren repariert und neu gelagert.

Im Mittelfeld des Orgelprospektes wurde in den fünfziger Jahren eine Christusfigur aufgestellt. Diese wurde bei der Kirchenrenovierung entfernt und sollte nicht wieder aufgestellt werden. So kam die ehemalige Spielnische zum Vorschein, insbesondere die historischen Staffeleien mit der ursprünglichen Disposition. In der Orgel wurde das historische Prospektraster des Mittelfeldes wieder gefunden. Sogar die fehlenden Prospektpfeifen tauchten auf dem Dachboden des Pfarrhauses wieder auf und konnten somit wieder an ihren angestammten Platz zurückkehren.

Das Untergehäuse wurde passend zum Rest des Gehäuses geschlossen, die historischen Staffeleien wurden verglast.

Die historische Position anhand des Spieltischbefunds:

Manual I Manual II Pedal
Bourdon 16' Principal 8' Subbass 16'
Principal 8' Gedackt 8' Violoncello 8'
Rohrflöte 8' Fernflöte 8' Principal 8'
Gambe 8' Salicional 8' Octavflöte 4'
Octave 4' Flute douce 4' Posaune 16'
Gemshorn 4' Octave 2'
Rohrflöte 4'
Quinte 3'
Octave 2'
Mixtur
Trompete 8'

Disposition heute:

Spielhilfen Hauptwerk
Ped. Coppel I Manual I
Ped. Coppel II Bordun 16'
Man. Coppel II-I Prinzipal 8'
Fernflöte 8'
Octav 4'
Rohrflöte 4'
Gemshorn 4'
Octav 2'
Superquinte 1 1/3'
Sesquialtera 2 2/3+1 3/5'
Scharf 4fach
Trompete 8'
Superquinte 1 1/3'
Schwellwerk Pedal
Manual II
Gedeckt 8' Subbass 16'
Salicional 8' Zartbass 16'
Prästant 4' Octavbass 8'
Flautdolce 4' Gedecktbass 8'
Quintflöte 2 2/3' Octavflöte 4'
Schwiegel 2' Sifflöte 2'
Nachthorn 2 Hintersatz 4fach
Terzflöte 1 3/5' Posaune 16'
Waldflöte 1' Dulcian 16'
Cymbel 3fach Krummhorn 8'
Rauschpfeife 2 2/3+2' Schalmei 4'
Krummhorn 8'
Schalmei 4'

Zusätzliche Spielhilfen:

  • P.P. (Piano-Pedal)
  • Tremolo
  • Jalousieschweller
  • Walze
  • Freie Combination
  • Tutti
  • Einzelabsteller für 5, 15, 28, 29, 30, 39, 40, 41, 42

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