Die Musik spricht für sich allein.
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Yehudi Menuhin

Projektbeschreibung

Gleidorf, Kath. Pfarrkirche Herz Jesu –

Restaurierung der historischen Holdich-Orgel der South Street Chapel, London

Diese Orgel stammt von dem bekannten Londoner Orgelbaumeister George Maxwell Holdich. Erbaut wurde sie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts, im Zeitalter der Romantik. Holdich konstruierte diese Orgel im Gegensatz zu anderen Orgelbauern jener Zeit als rein mechanische Orgel in einer Qualität, die heute nicht mehr selbstverständlich ist. Das genaue Baujahr der Orgel ist uns heute nicht bekannt, wir wissen aber, dass sie im Jahre 1896 aus einer anderen Kirche in die South Street Chapel in London umgesetzt wurde.

1930 zog sie erneut in eine andere Londoner Kirche um und wurde dort bis in die 90er Jahre genutzt. Aufgrund fehlender Organisten und einer schrumpfenden Gemeinde wurde das Instrument schließlich kaum noch genutzt. Gemeinsam mit anderen Orgelfreunden konnten wir die Orgel im vergangenen Jahr (2005) abbauen, nach Deutschland transportieren und vor dem Verfall retten. Hier wird sie auf der eigens für sie errichteten Orgelempore in der Kirche in Gleidorf ihren Platz finden. Der große Orgelprospekt, der an dem letzten Standort der Orgel an einer Wand stand, wird dann wieder in alter Pracht erstrahlen.

Die Orgel verfügt über 21 klingende Register, die auf zwei Manualklaviaturen und ein Pedalwerk verteilt sind. Die größte Pfeife ist 5m lang, die kleinste misst nur 18mm. Insgesamt verfügt das Orgelwerk über 1164 Pfeifen.

Orgelbaumeister Holdich hat für dieses Instrument an nichts gespart:
Alle Orgelteile sind ausschließlich in Massivhölzern gefertigt, unter anderem aus Edelhölzern wie Eiche und Mahagoni. Das Orgelgehäuse ist in bester Handwerkskunst in Rahmen und Füllungen gearbeitet. Die Tasten bestehen aus Ebenholz und aus Elfenbein, die Registerschildchen sind ebenfalls aus Elfenbein.

Kurzbeschreibung der Orgel:

Herkunft:London
Erbauer: George Maydwell Holdich, London (1816-1896)
Baujahr:vor 1895
Register:21
Tonumfang Manual:C-g
Tonumfang Manual:C-f
Koppeln:II an I, II an Pedal, I an Pedal, Diocton Swell
Werke:2 Manuale und Pedal / Hauptwerk (Great), Schwellwerk (Swell), Pedal
Gehäuse:Eiche massiv, Rahmen und Füllungen
Windversorgung:Doppelfaltenbalg und zwei Schöpfbälge (Keilbälge), original erhaltene Schöpfanlage und elektrisches Orgelgebläse
Windladen:rein mechanische Schleifladen in Massivholzbauweise
Tontraktur:Abstrakten Zeder, Wellen Eisen
Registertraktur:Schubstangen und Wellen Massivholz
Pfeifenwerk:Prospektpfeifen Zink, Innenpfeifen Zinn-Blei-Legierung; sehr starkwandig

Besonderheiten:

  • Holdich-Erfindung: Diocton Stop - Oktavkopplung im Schwellwerk
  • Drei Gruppenzüge für Schwellwerk
  • Drei Gruppenzüge für Hauptwerk
  • Zweiseitiger Prospekt
  • Aufwendig bemalte Prospektpfeifen
  • Manualklaviaturen mit Elfenbeinbelag, Obertasten Ebenholz
  • Registerschilder in Elfenbein

Disposition:

English Version Deutsche Entsprechung
Great Hauptwerk
Open Diapason 8' Principal 8'
Dulciana 8' Dulciana 8'
Bell Gamba 8' Trichtergamba 8'
Stopped Diapason Bass 8' Gedeckt Bass 8'
Clarabella 8' Holzflöte 8'
Principal 4' Principal 4'
Flute 4' Flöte 4'
Fifteenth 2 Octave 2'
Mixture 2fach Mixtur 2fach
Clarionet 8' Klarinette 8'
Swell Schwellwerk
Double Diapason 16' Gedeckt 16'
Open Diapason 8' Principal 8'
Lieblich Gedact 8' Lieblich Gedackt 8'
Keraulophon 8' Salicional/Gambe 8'
Principal 4' Prinzipal 4'
Piccolo 2' Piccolo 2'
Horn 8' (Wald–)Horn 8'
Oboe 8' Oboe 8'
Pedal Pedal
Open Diapason 16' Prinzipal 16'
Bourdon 16' Subbass 16'
Violon 8' Violon 8'

George Maidwell Holdich

G. M. Holdich wurde als vierter Sohn des Pfarrers Thomas Holdich und dessen zweiter Frau Elizabeth Laura Maydwell am 14. 8. 1816 in Maidwell Hall, Northants, geboren.

Als junger Mann studierte er zunächst Medizin, schlug aber nach Abschluß des Studiums einen anderen Weg ein und ging bei dem Orgelbauer James Chapman Bishop in die Lehre. Schon mit 21 Jahren gründete er eine eigene Werkstatt und baute überwiegend Orgeln in kleineren Kirchen. In einem Taschenbuch aus dem Jahr 1871 sind 455 Orgeln verzeichnet, die G.M. Holdich in seiner Schaffenszeit von 57 Jahren gebaut hat.

Seine Orgeln waren sorgfältig angefertigt und zum Teil innovativ: er entwickelte eine Art Oktav-Koppel, die man Diaoctonnannte. Von den größeren Orgeln sind einige auch im Ausland errichtet worden: Israel (Jerusalem), Australien und New Zealand.

Heute werden noch über 50 Orgeln regelmäßig bespielt und sind wegen ihrer ausgezeichneten Tonqualität hoch geschätzt.

Am 30. Juli 1896 verstarb G. M. Holdich in Forest Hill, London und wurde auf dem Lady-well-Friedhof, Lewisham, London, beigesetzt.

Nach seinem Tode übernahm Eustace Ingram die Werkstatt unter dem Firmennamen Holdich & Ingram, verkaufte aber wenig später an die Fa. Gray & Davison. Mehrere Orgeln sind inzwischen von The British Institute of Organ Studies mit dem Zertifikat Historische Orgel ausgezeichnet und glanzvoll restauriert worden.

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